BRASKIRI

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UNS GEHT ES DARUM, JENSEITS AUSGETRETENER PFADE ZU WANDELN, ES EINFACH ZUZULASSEN, DASS AUCH MAL LUSTIGE, UNVORHERGESEHENE, VERRÜCKTE DINGE PASSIEREN

  • Intro
  • Veröffentlichungen
Bert Lochs
trumpet, flugelhorn
Steffen Granly tuba
Dirk Balthaus grand piano, fender rhodes
Wim Kegel drums

Ein verrückter Professor, eine Prinzessin mit Pferdegesicht und ein Terroranschlag – darum geht es unter anderem auf The Couch Principle, dem neuen Album von Braskiri.

„Die besten Ideen kommen, wenn du nicht nach ihnen suchst, dein Kopf völlig leer ist“, sagt der Pianist des Quartetts, Dirk Balthaus. Komponiert hat alle Stücke sein Bandkollege Bert Lochs, der Flügelhorn und Trompete spielt. Auch er kann bestätigen, dass er „immer dann am kreativsten ist, wenn ich entspanne und gar nichts tue.“ So kam er auch auf den Titeltrack The Couch Principle. „Ich saß auf der Couch als ich plötzlich diese eingängige Basslinie im Kopf hatte. Ich sprang sofort auf, um sie auf Notenpapier zu schreiben. Ich gehöre noch zur alten Garde, die klassisches Notenpapier statt Computer oder Aufnahmegerät verwendet”.

Die Bandbesitzung ist identisch mit der des Vorgängeralbums Killing the Mozzarella. Steffen Granly, Tubaspieler aus Norwegen, ist ein wichtiger Baustein für den einzigartigen Sound des Quartetts. „Steffen ist ein ganz besonderer Musiker, weil es nicht viele Tubisten gibt, die meine Kompositionen spielen können. Er fungiert als Bassist, der die Fundamente legt und für den Groove sorgt. Das macht er bravourös, aber er kann auch mit Trompete oder Flügelhorn im Duett spielen. Ich liebe das, wenn die Tuba zum Melodieinstrument wird und Dirk am Klavier den Bass übernimmt. Das verleiht den Stücken eine besondere Dynamik“, erklärt Lochs.

Drummer Wim Kegel ist dagegen berühmt-berüchtigt für seinen besonderen, intensiven Groove. „Wenn ich ihm ein fertig komponiertes Stück vorlege, bedarf es keiner vielen Worte. Er weiß, was zu tun ist – was es für mich als Komponisten sehr angenehm und einfach macht“, so Lochs. „Den Korpus der Band bilden Tuba und Flügelhorn, während Schlagzeug und Klavier die Kolorierung übernehmen und miteinander in Dialog treten. So entsteht ein Sound, der uns unverkennbar macht.“ 

KILLING THE MOZZARELLA (2016)

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Den Auftakt der Braskiri-Improvisationen bilden ungewöhnliche Akkordfolgen von Lochs, auf die die Harmonien aufbauen. „Uns geht es darum, jenseits ausgetretener Pfade zu wandeln, es einfach zuzulassen, dass auch mal lustige, unvorhergesehene, verrückte Dinge passieren“, beschreibt Balthaus die Band-Philosophie. "Wenn jemand die Bühne verlassen, seine Tuba auseinander schrauben oder das Mikrofon damit bearbeiten will - kein Problem, alles ist möglich!"

Eine Art des Musizierens, die vor allem bei den Stücken mit hohem Improvisationsanteil wichtig ist. "Mit Uncloud will Bert den Beweis antreten, dass er eben nicht nur weich, schön und lyrisch spielen kann", erklärt Balthaus. "Er will die himmlischen, wolkigen Sphären verlassen und härter spielen, was wir natürlich auch können. Und Tale-o-mat beschreibt uns als Band. Wir sind wie eine Jukebox, die musikalische Geschichten erzählt. Am Anfang hatte ich ein bisschen Bammel vor diesen freien Improvisationen, weil wir das nur selten gewagt haben. Da war ich jedes Mal heilfroh, wenn es vorbei war. Aber je öfter wir es probierten, desto sicherer und selbstbewusster wurde ich. Mittlerweile lasse ich es einfach fließen. Ich liebe diese Freiheit, obwohl ich mich jedes Mal aufs Neue frage, wie ich das gemacht habe, wenn ich es mir noch einmal anhöre.“ 

Während Dirk Balthaus (Klavier), Bert Lochs (Trompete und Flügelhorn) und Wim Kegel (Schlagzeug) eine klassische Jazzausbildung genossen haben, kommt Steffen Granly (Tuba) aus Norwegen – einem Land mit langer Blechbläser-Tradition. Bei Braskiri ersetzt die Tuba weitestgehend den herkömmlichen Bass. Tuba und Schlagzeug fungieren als Rhythmusgruppe, spielen aber auch mit den anderen Instrumenten im Duett und prägen so den ungewöhnlichen, charakteristischen Sound des Quartetts. Auch in den Niederlanden, dem Heimatland Lochs, gibt es eine lange Bigband-Tradition. "Weil er diese Klänge über alles liebt, ist Bert froh, dass er in unser Ensemble zumindest eine Mini-Bigband eingebaut hat, bestehend aus Tuba und Trompete", schmunzelt Balthaus.

Teil der Philosophie von Braskiri ist es auch, besondere Momente auf Konzerten mit dem Publikum zu teilen – und ihm ausreichend Raum für Interpretationen zu lassen. "Ich möchte den Zuschauern keinerlei Vorgaben machen, wie sie unsere Musik zu verstehen haben. Das soll jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Balthaus, stellt aber gleichzeitig klar: "natürlich freue ich mich, wenn ihnen unsere Musik gefällt oder sie gar berührt."

Da Braskiri technische Brillanz mit emotionaler Tiefe und Wärme vereinen, sind ihre Zuschauer und Zuhörer von der ungewöhnlichen Musik jedoch ohnehin nur selten enttäuscht, sondern meist angenehm überrascht oder gar beflügelt. 


THE COUCH PRICIPLE (2019)

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Zu hören in Stücken wie Doc Brown, das an den gleichnamigen, verrückten Professor aus dem Film „Zurück in die Zukunft II“ angelehnt ist. „Ich habe es am 21. Oktober 2015 komponiert – dem Tag, an dem Marty, der Protagonist, in der Zukunft landet. Ein absolut passender Titel für ein verrücktes Stück, das von einem ebensolchen Professor inspiriert wurde.“

Schon im zarten Alter von acht Jahren spielte Bert Lochs in einer Blaskapelle. An den Garten seines Flügelhornlehrers kann er sich noch gut erinnern. „Dort gab es jede Menge Flaschen, die auf dem Kopf standen und bunt bemalt waren. Das hat mich tief beeindruckt.“ Ein Erlebnis, das er im Stück Garden of Glass verarbeitet hat, während er The House on the Mountain seinen Eltern gewidmet hat, die im Süden Hollands leben. „Natürlich ist das eher ein Hügel als ein Berg. Ich habe nachgemessen: es liegt 60 Meter über dem Meeresspiegel“, schmunzelt Lochs.

Lament for B entstand nach den Terroranschlägen in Brüssel. „Es steht stellvertretend für alle diese schrecklichen Dinge, die in den vergangenen Jahren passiert sind“, erklärt Lochs und Dirk Balthaus ergänzt: „Meine Frau reist häufig durch Brüssel. Unter anderem in der Woche nach dem Anschlag. Auch dem Terror in London ist sie um nur einen Tag entgangen. Die Anschläge kamen also näher, was mich enorm beunruhigt hat.“

Lost in La Futa beschreibt den Futapass in der Toskana, der bei Bergwanderern sehr beliebt ist. „Wir haben es ausprobiert und uns hoffnungslos verlaufen“, erinnert sich Lochs. „Es wurde schon dunkel und wir hatten keine Ahnung, wo wir waren. Wie sehr uns der Schreck in die Glieder gefahren ist, kann man in dem Stück gut hören.“

Timegliding ist „ein guter Titel, aber warum ich ihn gewählt habe, weiß ich gar nicht so genau“, gesteht Lochs und vermutet: „Wir werden geboren und sterben irgendwann. Dazwischen gleiten wir durch Zeit und Raum. Und es gibt nichts, was wir dagegen tun könnten.“ Für den Pianisten Dirk Balthaus „spiegelt sich der Titel in der Musik wider. Der Song hat eine lange Form, manche Harmonien werden verlängert, wodurch unregelmäßige Strukturen entstehen. Dadurch entsteht ein räumlicher und gleitender Eindruck.“

All is Well reflektiert das Unbehagen, das jemand verspürt, wenn er in einem Gespräch Klartext reden will, tatsächlich aber nichtssagende Sätze von sich gibt. „In dem Stück herrscht eine große Spannung. Das Klavier spielt ein einfaches, sich wiederholendes Ostinato, der Bass über weite Strecken nur auf einer einzigen Note, wogegen die Melodie vergleichsweise komplex ist. Das alles passt eigentlich überhaupt nicht zusammen und erzeugt eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann“, erklärt Lochs, der großer Fan der Fantasyserie „Game of Thrones“ ist. Besonders von Arya, der burschikosen Prinzessin mit dem Pferdegesicht. „Sie tötet alle, die sie nicht mag. Alle, die gemein zu ihr sind. Das mag ich an ihr“, verrät Lochs und findet: „Arya ist (fast) ein heraldischer Song.“

Picardian Chase verwickelt Schlagzeug und Trompete in eine Jazz Chase, die mit einer „Picardischen Terz“ abschließt. Heißt: das Stück beginnt in Moll, endet aber in Dur. Einen solchen Schlussakkord haben Johann Sebastian Bach und Musiker seiner Zeit oft verwendet.

Zuletzt hat Braskiri seine musikalischen Qualitäten bei gut besuchten Konzerten in Oldenburg, Oberhausen und im Rahmen des „North Sea Jazz Festivals“ unter Beweis gestellt und sein Publikum begeistert. Für Mitte April laufen bereits die Planungen für eine erweiterte Besetzung als „Braskiri Plus“ – ergänzt um Posaunisten und Trompeter. Das Konzert am 14. April im Rahmen von „Jazz in Twee“ im MCO (Muziek Centrum van den Omroep) soll live mitgeschnitten werden. „Es ist schön, sich auf etwas Neues vorzubereiten, was aber kein Dauerzustand werden soll. Wir wollen so oft wie möglich im Quartett spielen“, stellt Lochs klar.

Gute Neuigkeiten also, denn in der Original-Besetzung kann die Band ihre technische Brillanz und ihre emotionale Tiefe bestens konservieren. Oder wie es Matti Poelson in „Musicframes“ prägnant auf den Punkt bringt: „Braskiri liefert Kompositionen für Kenner, die eine Vorliebe für elegante Musik mit Ecken und Kanten haben.“ 

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