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NEUIGKEITEN

03. September 2014

dogma chamber orchestra gewinnt den ECHO Klassik 2014

„DO.GMA#3 – The Shostakovich Album” (BERTHOLD records / MDG) ausgezeichnet als beste sinfonische Einspielung (20./21. Jahrhundert).

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11. März 2014

Musikkritik audio.de zu "DO.GMA #3 - The Shostakovich Album"

Eine Premiere bietet diese klanglich feine, weil räumlich und natürlich aufgenommene Produktion: Das Dogma Chamber Orchestra hat Schostakowitschs 24 Preludes erstmals in der gelungenen Streichorchester-Fassung ...

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30. Juli 2013

Interview mit julian Waterfall Pollack

Julian Waterfall Pollack im Gespräch über das Album „Waves of Albion“ (7 Juni 2013)

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JULIAN WATERFALL POLLACK TRIO

Jazz n Spirit Session
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“FÜR MICH HAT MUSIK VOR ALLEM EINE AUFGABE – SIE MUSS GEFÜHLE UND EMOTIONEN TRANSPORTIEREN …“

  • Intro & Besetzung
  • Veröffentlichungen

Julian Waterfall Pollak Trio sind:

Julian Waterfall Pollack piano
Noah Garabedian bass
Evan Hughes drums

…sagt jemand, der es wissen muss. Gerade 25 Jahre alt geworden, gilt der Pianist und Komponist Julian Waterfall Pollack  als eine der größten Nachwuchs-Hoffnungen der amerikanischen Jazz-Szene. Das hatte Piano-Legende Marian McPartland schon 2006 kommen sehen, nachdem sie Pollack in ihre berühmte Radiosendung Piano Jazz eingeladen hatte und von seinem virtuosen, gefühlsbetonten Spiel verzaubert war. „A wonderful new player on the Jazz scene“, schwärmte die Grande Dame des Klaviers schon damals.

Sieben Jahre später legt Julian Pollack mit dem Bassisten Noah Garabedian und  dem Schlagzeuger Evan Hughes sein zweites Album vor.

In den USA hat sich Julian Pollack bereits einen Namen als Pianist, Komponist und Arrangeur gemacht. Kritiker zeigen sich vor allem von der Reife und der Virtuosität des 25-Jährigen beeindruckt. Wer Pollacks Lebenslauf genauer studiert, merkt jedoch schnell, dass das alles kein Zufall ist.

So abgedroschen das Wort Wunderkind auch klingen mag – auf Julian Pollack trifft es  tatsächlich zu. Seine Eltern – die Mutter Konzert-Pianistin, der Vater Orchester-Dirigent – kümmern sich schon früh um die musikalische Früherziehung ihres Sprösslings, spielen ihm neben Jazz auch klassische Musik und die Pop-Juwelen der Beatles vor. Im zarten Alter von fünf Jahren erhält er von seiner Mutter die ersten Klavier-Stunden und es dauert nicht lange, bis er selbst technisch komplexe, klassische Kompositionen traumwandlerisch sicher spielen kann. Vorbilder sind auch schnell gefunden: Oscar Peterson und Duke Ellington – beide nicht nur Virtuosen an den Tasten, sondern auch für ihre ausgefeilten Kompositionen und Arrangements bekannt.

Nach einem Studium am berühmten Berklee College of Music wagt Pollack 2006 –gerade 18 Jahre alt - den großen Schritt: er zieht von Los Angeles in die Jazz-Metropole New York. Dort, an der NYU, studiert er Klavierspiel und Komposition und dockt schnell an der örtlichen Jazz-Szene an. Inzwischen kann Pollack auf zahlreiche Auftritte in legendären Jazzclubs wie dem Blue Note oder dem Village Vanguard zurück blicken und auf berühmte Namen verweisen, mit denen er schon zusammen im Studio und auf der Bühne stand – unter ihnen Joshua Redman, Brad Mehldau, John Scofield und Ambrose Akinmusire.

Bleibt die Frage, wie  es Pollack schafft, sein Klavierspiel derart reif klingen zu lassen und seinen Kompositionen eine solche emotionale Tiefe zu verleihen? „Es gibt da kein Erfolgsrezept“, schmunzelt Pollack.  „Außer: sich selbst treu zu bleiben und die Noten so aufzuschreiben, wie ich sie hören möchte“. Bleibt zu hoffen, dass Pollack und seine Musiker ihrem Weg weiterhin so unbeirrt weiter gehen wie bisher – dann wird man noch viel von ihnen hören. 

WAVES OF ALBION (2013)

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Auf Waves Of Albion entführt der Wahl-New-Yorker den Hörer in die Gegend, in der er aufgewachsen ist: Albion in Kalifornien. Ein kleiner Ort an der Pazifikküste, mehrere Stunden vom Trubel einer Großstadt wie San Francisco entfernt. Hier zeigt sich der größte Ozean der Welt mit seinen Ecken und Kanten.  Tief und dunkel, bisweilen ungemütlich, gar bedrohlich, aber stets voller Charakter und natürlicher Schönheit. Gegensätze, die Pollack im Titelstück Waves Of Albion heraus arbeitet. Eine offen angelegte Komposition, die sich in kein vorgegebenes Schema pressen lässt – ohne Grundschlag und Metrum. Wenn sich Pollack mit langen Noten und Akkorden in den tiefen Registern seines Klaviers bewegt – unterstützt von dezenten  Kontrabasspassagen und bedrohlich anschwellenden Beckenklängen - kann der Hörer die Wellen an der Pazifikküste förmlich vor sich auftürmen sehen, um schon wenig später an einem Felsen zu zerschellen und im Meeresrauschen zu  verschwinden.

Solche Hörerlebnisse voller Wohlklang und Harmonie beschert Julian Pollack dem Hörer  reihenweise auf seinem Album. Stilistisch lassen sich seine Kompositionen nicht eindeutig zuordnen. Die Grundzutat ist Jazz, aber er verarbeitet auch Elemente aus der klassischen Musik, sowie aus Pop und traditionellem Folk. „Ich liebe tonale Harmonie und ich liebe Popmusik, wie sie mit ihrer Schlichtheit enorme Schönheit und Wirkung erzielen kann, erklärt Pollack. Ein wichtiger Werkstoff für ihn sind alte, meist sehr schlichte Kompositionen, von denen er die Grundidee übernimmt, den Stücken dann aber – meistens durch Improvisation – einen neuen Dreh verleiht. So wie in Amazing Grace und Shenandoah -  zwei Traditionals, die Pollack und seine Mitmusiker auf ihre Weise interpretieren.

Besonders deutlich die Arbeitsweise des Trios in What Sarah Said. Hier bleiben die Musiker  zunächst dicht am Original der Indie-Rock-Band Death Cab for Cutie, indem sie Melodie und Akkordfolge übernehmen. Es folgen rhythmische und harmonische Variationen des Motivs und schließlich ein Improvisationsteil – gespielt im 11/16 Takt – der das Stück in ein völlig neues musikalisches Gewand hüllt. Auch wenn ihre Version ohne die herzzerreißenden Textzeilen des Originals auskommen müssen („Liebe bedeutet, jemanden sterben zu sehen“), schaffen es die drei jungen Musiker, mit ihrem harmonischem, variantenreichen Spiel, neben dem Kopf auch das Herz des Hörers im Sturm zu erobern.

Das alles klingt über weite Strecken sehr melancholisch und Titel wie Sad Song und I Don’t Believe in Love anymore lassen nicht gerade einen Hedonisten am Werk vermuten. „Melancholie kann der Musik eine mächtige Stimmer verleihen, aber ich würde mich nicht als  übermäßig melancholischen Menschen bezeichnen“, stellt der Pianist und Songwriter klar.