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03. September 2014

dogma chamber orchestra gewinnt den ECHO Klassik 2014

„DO.GMA#3 – The Shostakovich Album” (BERTHOLD records / MDG) ausgezeichnet als beste sinfonische Einspielung (20./21. Jahrhundert).

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11. März 2014

Musikkritik audio.de zu "DO.GMA #3 - The Shostakovich Album"

Eine Premiere bietet diese klanglich feine, weil räumlich und natürlich aufgenommene Produktion: Das Dogma Chamber Orchestra hat Schostakowitschs 24 Preludes erstmals in der gelungenen Streichorchester-Fassung ...

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30. Juli 2013

Interview mit julian Waterfall Pollack

Julian Waterfall Pollack im Gespräch über das Album „Waves of Albion“ (7 Juni 2013)

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Interview mit julian Waterfall Pollack

30. Juli 2013 von ---

Interview mit Julian Waterfall Pollack über das Album „Waves of Albion“ (7 Juni 2013)


Es ist dein zweites Album mit dem Julian Waterfall Pollack Trio. Es heißt: „Waves of Albion“. Wofür steht der Titel?

Albion ist eigentlich ein altes Wort für Großbritannien, aber auch in den USA gibt es viele Städte und Orte, die so heißen. Ich bin zum Beispiel in Albion in Kalifornien aufgewachsen. Es liegt direkt am Meer, etwa drei Stunden nördlich von San Francisco. Das Cover-Foto vermittelt einen Eindruck, wie es dort aussieht. „Waves of Albion“ heißt auch das letzte Stück auf dem Album. Eine sehr melodische, harmonische Komposition ohne vorgegebene Struktur, die ich meiner Heimat widmen wollte, so wie es viele Musiker tun, die eine besondere Beziehung zu ihrer Herkunft haben und das auch in ihrem Schaffen ausdrücken wollen. Das Foto habe ich mit meinem Iphone geschossen als ich dort zu Besuch war.

Also eine Hommage an deine Heimat?

Genau. Es ist der Pazifik, der größte Ozean der Welt – tief und dunkel – der sehr ungemütlich werden kann, trotzdem aber seinen Charakter behält. Diesen Gegensatz wollte ich beim Komponieren heraus arbeiten. Das Stück ist offen angelegt, es hat weder Grundschlag noch Metrum – wie ein unruhiger, unzähmbarer Ozean. Beim Spielen imitieren wir die Bewegung der Wellen – eine bedrohliche Stimmung, aber gleichzeitig auch sehr schön.

Welche Vorstellungen hattest du vom Album bevor es ans Komponieren ging?

Ich bin sowohl mit traditionellem als auch mit modernem Jazz aufgewachsen. Ich liebe tonale Harmonik aber auch Popmusik, wie sie durch ihre Schlichtheit enorme Schönheit und Wirkung erzielen kann. Viele moderne Kompositionen im Jazz und in der Klassik sind sehr komplex angelegt und zielen damit mehr auf den Kopf als auf das Herz des Hörers. Für mich dagegen hat Musik vor allem die Aufgabe, Gefühle und Emotionen zu transportieren. Das funktioniert in vielen alten Jazzkompositionen sehr gut, aber auch in amerikanischer Folkmusik und in der Rockmusik. Genau hier setzen wir mit unserem Trio an. Diese alten, oft sehr schlicht gehaltenen Kompositionen sind quasi unsere Werkstoffe, die wir auf unsere Art – vor allem durch Improvisation – weiter verarbeiten, ohne ihre ursprüngliche Anmutung zu zerstören. Dabei bewegen wir uns Genre-übergreifend zwischen Jazz, Klassik und Pop.

Wie hast du die Songauswahl für „Waves of Albion“ getroffen?

Das war ähnlich wie beim Vorgänger-Album „Infinite Playground“. Es sollte wieder eine Mischung aus eigenem Material und Coverversionen sein. Am Ende waren es vier Eigenkompositionen, zwei Traditionals („Amazing Grace“ und „Shenandoah“) und zwei Coverversionen moderner Rocksongs: „Flume“ von Bon Iver und „What Sarah Said“ von der Band „Death Cab for Cutie.“

Müssen Songs bestimmte Kriterien erfüllen, damit ihr sie covert?

Wir suchen nach einem ganz bestimmten Sound, mit dem wir Gefühle und Stimmungen transportieren können. Und da sind vor allem alte Jazzballaden ein wahres Füllhorn, weil sie ein ideales Sprachrohr für uns sind. Wir haben während der Sessions auch ein Stück aufgenommen, das etwas aus dem Rahmen fiel, weil es als Fast Swing gespielt wurde. Ich habe mich dann entschieden, es nicht mit auf die CD zu nehmen, weil es nicht zum Konzept der anderen Songs gepasst hätte, die dank ihrer Schlichtheit und tonalen Harmonie sehr ans Herz gehen.

Du hast gerade das Stück „What Sarah Said“ erwähnt. Eine sehr interessante Komposition, in der viel passiert. Ihr variiert zum Beispiel Taktart und Tempo. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Als ich 17 war und auf die High School ging, gab mir meine Freundin das Album „Plans“ der Indie-Rock-Band „Death Cab für Cutie“, das mir auf Anhieb sehr gefiel. Sehr einfache Kompositionen aber voller Gefühl und Atmosphäre. Wobei „What Sarah Said“ aus meiner Sicht heraus sticht. Der Text ist wirklich herzerweichend. Es geht darum, jemanden den man liebt, sterben zu sehen. Ein Song, der einem bewusst macht, welche Wertschätzung man für manche Menschen empfindet. In einer Zeile des Stückes heißt es: „Liebe bedeutet, jemanden sterben zu sehen.“ Eine ziemlich heftige Aussage, aber absolut zutreffend. Dieser Song ist ein perfektes Beispiel für unseren Ansatz, Musik zu machen. Wir beginnen ziemlich dicht am Original, indem wir Melodie und Akkordfolge übernehmen, geben dem Ganzen dann aber durch Wechsel von Ton- und Taktart einen anderen Dreh. Das Motiv spielen wir in unterschiedlichen Taktarten, einmal auch im 11/8, eigentlich sogar 11/16 Takt.

Wenn man sich die Songtitel so anschaut und sich das Album anhört, könnte man meinen, dass da ein ausgesprochener Melancholiker am Werk ist. Titel wie „Sad Song“ oder „I Don’t Believe in Love anymore“ lassen nicht gerade einen Hedonisten vermuten. Eher ungewöhnlich für jemanden, der gerade 25 Jahre alt geworden ist, oder?

Melancholie kann der Musik eine mächtige Stimme verleihe – wie unendlich viele Beispiele aus der Pomusik zeigen. Im Jazz kommt das weniger häufig vor. Ich würde mich nicht als besonders melancholischen Menschen bezeichnen, aber natürlich habe ich mich auch schon so gefühlt. Aber ich stimme zu: das Album klingt über weite Teile tatsächlich enorm melancholisch – und das ist auch vollkommen beabsichtigt so.

Du bist Pianist, Komponist, Arrangeur und Bandleader – hast also viele Rollen. Und du bist etwas – was man gemeinhin als Wunderkind bezeichnet

Meine Mutter ist Konzert-Pianistin. Ich war gerade fünf Jahre alt, da fing sie schon an, mir Unterricht zu geben. Und mein Vater ist Orchester-Dirigent, der ganze Sinfonien schreibt, außerdem spielt er Saxofon und Klarinette. Ich bin also von Kindheit an mit Musik aufgewachsen, eigentlich sogar schon früher, denn schon im Mutterleib habe ich mitbekommen, wie sie geübt hat. Meine Eltern haben mir natürlich auch viel Musik vorgespielt: von Jazz über Klassik bis hin zu den Beatles – eine enorme Bandbreite also. Die erste Jazz-Platte, die ich mir anhörte, war Oscar Petersons Version der „Westside Story“. Bis heute ist Peterson ein großes Vorbild und ein großer Einfluss, genau wie Duke Ellington, der natürlich auch ein begnadeter Arrangeur war.

2006 war für dich ein Jahr des Umbruchs. Du hast den Umzug von der Westküste an die Ostküste gewagt. Ganz schön mutig für einen gerade mal 18- Jährigen…

Ja, aber New York ist nun mal die Hauptstadt des Jazz. Wenn du es halbwegs ernst meinst und dir einen Namen machen willst, führt an dieser Metropole kein Weg vorbei. Dort treffen sich die Besten der Besten – entsprechend hoch ist das musikalische Niveau dort. Überhaupt ist New York unglaublich reich an Kultur. Los Angeles ist cool, keine Frage. Aber New York toppt das mit seiner Vielzahl von Clubs auf engstem Raum noch einmal deutlich. Man kann die Stimmung, die Atmosphäre, die da in der Luft liegt, förmlich spüren.

Inzwischen bist du 25 Jahre alt – und Kritiker überhaÅNufen dich mit Lob. Sie sagen zum Beispiel, dass dein Klavierspiel enorm ausgereift klingt und sie betonen die emotionale Tiefe deiner Kompositionen. Wie lautet dein Erfolgsrezept?

Das ist schnell beantwortet: es gibt keins! Meine Musik ist Ausdruck meiner Person. Ich schreibe einfach die Musik so auf, wie ich sie gerne hören würde. Das hat aber nichts mit einer Erfolgsformel zu tun oder so. Wir versuchen einfach, uns selbst treu zu bleiben.

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