ROMAN ROFALSKI TRIO

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ROMAN ROFALSKI IST EIN BRILLANTER, VIELSEITIGER UND VERSONNENER PIANIST. MIT SEINEN NEUEN ALBUM SONAR ÜBERRASCHT, FORDERT, BERUHIGT UND INSPIRIERT ER SEIN PUBLIKUM GLEICHERMASSEN.

  • Intro
  • Veröffentlichungen

 

Roman Rofalski piano
Johannes Felscher double bass
Ruben Steijn drums

Roman Rofalski ist ein brillanter, vielseitiger und versonnener Pianist. Mit seinen neuen Album Sonar überrascht, fordert, beruhigt und inspiriert er sein Publikum gleichermaßen. Sein Trio komplettieren der Bassist Johannes Felscher und der Schlagzeuger Ruben Steijn. Dank ihrer raffinierten Spielkunst und ihrer feinen Antennen für Stimmungen bilden sie eine perfekte Einheit.

Der in Stadthagen in der Nähe von Hannover geborene Rofalski hat sämtliche Stücke des Albums komponiert, das jetzt bei BERTHOLD records erscheint. „Meine Eltern sind beide Lehrer, die zwar nie professionell Musik gemacht haben, aber immer musikalisch interessiert waren. Als ich zehn war, stellten sie mich vor die Wahl, Gitarre oder Klavier zu lernen. Ich entschied mich für das Klavier, da mein Vater als Hobbygitarrist ein paar Akkorde klampfte und ich mich – natürlich – von ihm abgrenzen wollte“, erinnert sich Rofalski.

Als Teenager macht er zunächst Rockmusik und produziert Techno-Tracks. Er träumt davon, den musikalischen Durchbruch zu schaffen. Doch mit seinem enormen Talent schlägt er einen anderen Weg ein. Dieser führt ihn an die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, wo er klassisches Klavier studiert. 
„Wie es häufig so ist, habe ich damals zwar klassische Musik studiert, aber Jazz gehört. Bill Evans war mein großes Idol. Inzwischen, da ich mehr auf dem Feld der improvisierten Musik arbeite, höre ich auch sehr viel Klassik“.
Seine Karriere macht schnell Fortschritte. Als Mittzwanziger ist er ausgebildeter Konzertpianist, danach zieht es ihn nach New York, wo er seine Masterprüfung in Jazzklavier ablegt. Doch eines Tages kommt der Punkt, an dem er seine erste kleine Krise durchläuft.

„Als Konzertpianist sollte man zu 100 Prozent hinter der Musik stehen, die man interpretiert. Auf der Suche nach der musikalischen Ausdrucksform muss man dabei die eigene Geschichte mit einbeziehen. Und meine Wurzeln liegen zwar bei Schostakowitsch, Schubert und Beethoven, aber eben auch bei Herbie Hancock, den Foo Fighters und elektronischer Tanzmusik. Dass dies alles in meiner eigenen Musik zusammenkommt, ist ein langer Prozess gewesen, der bis heute andauert und etwas Besonderes ist. Ich bin also nicht den ‚klassischen‘ Weg eines Jazzmusikers gegangen, sondern immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen. Mit Neugier und der Inkorporation verschiedenster Stile“, erklärt Rofalski.

Auf seinem neuen Album lässt der Pianist seinen musikalischen Einflüssen freien Lauf, indem er rhythmische und melodische Ideen aus Klassik und Jazz miteinander vermengt. Solaris basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem und bezieht sich auf den Ozean aus Plasma, den der Autor in seinem verschiedenen Formen und Farben beschreibt. 
Das Titelstück Sonar ist dagegen ein auf einer konstruierten Tonleiter basierender Song. „Daraus ergeben sich abstrakte Melodien und Harmonien, die aber trotzdem eine treibende und groovende Einheit bilden“, erklärt Rofalski.
Bosporus ist dem deutsch-türkischen E-Bassisten Achim Seifert und dessen kritischer Auseinandersetzung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan gewidmet. „Als sich die politischen Spannungen mit der Türkei zuspitzten, habe ich das Originalstück wieder hervorgekramt, es verschärft und rhythmisch komplexer gemacht“, so der Komponist zur Neubearbeitung seines Stückes.

Proko Trance fußt auf einem Motiv aus einem Klavierkonzert von Prokofjew. „Ich nehme meist kleine Motive, harmonische oder rhythmische Zellen aus der Vorlage und nutze sie als Grundlage, um sie fortzuspinnen und in meine Vorstellung einer Songstruktur zu überführen.“

SONAR (2018)

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Garspachowiederum basiert auf einer Idee aus Ravels Gaspard de la nuit. „Das kommt aus meiner Vergangenheit als Konzertpianist, ein unglaublich tolles Stück. Technisch anspruchsvoll. Ich habe es unzählige Male geübt und dachte immer, daraus müsste man Grooves entwickeln. Ravels Ideen wirken auch heute noch frisch. Seine Harmonik hat Jazzpianisten der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst. Ich habe versucht, es in eine loopähnliche, sich wiederholende Form zu bringen.“

Stücke, die – wie Rofalski erklärt – improvisierte mit sorgfältig auskomponierten Passagen kombinieren. „In meinen Stücken ist der kompositorische Anteil sehr hoch. Trotzdem spiele ich mit Johannes und Ruben, weil ich ihre Persönlichkeiten und das, was sie musikalisch zu sagen haben, sehr schätze“, unterstreicht der Pianist und ergänzt: „Deshalb versuche ich eine Komposition zu schaffen, die in sich funktioniert, aber dennoch genug Freiraum bietet, dass die Jungs ihre eigene Persönlichkeit entfalten und einbringen können. So, als ob man ein Gespräch führt.“

Klanglich mutet das Album über weite Strecken druckvoll und doch versonnen an, was Roman so erklärt: „Die amerikanische Art, Jazz zu spielen, ist sehr kompromisslos und unerbittlich. Mit einer hohen Intensität und Aggressivität, was mich immer beeindruckt hat. Auf der anderen Seite brauche ich Mitspieler, die meinen musikalischen Background verstehen und in der europäischen Kunstmusik verwurzelt sind.“ 

Etwas Neues zu machen, ohne das Publikum zu erschrecken, sondern es zu unterhalten, lautet das Credo des Trios. Mit Songs, die grooven und geschlossene Strukturen und Melodien haben. Die kompositorischen Werkzeuge aus der klassischen Musik ebenso integrieren, wie abstrakte Harmonik und Konzepte aus der Neuen Musik.

„Johannes nannte das mal ‚Avantgarde zum Anfassen‘. Ich glaube, dass wir Musik spielen, die sich auch meine Mutter anhören kann. Sie findet meine Musik toll und fühlt sich herausgefordert. Sie merkt, dass darin Sachen anders klingen als üblicherweise, aber nicht völlig anders, als man denkt“, schmunzelt Rofalski.

Roman Rofalski ist Lehrbeauftragter für Klavier an der Hochschule für Musik in Rostock und hat schon an zahlreichen renommierten Festivals teilgenommen, darunter den Leverkusener Jazztagen, dem Saxophonfestival Seligenstadt und der Jazz Rally Düsseldorf.