MARTIN FABRICIUS TRIO

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DIE BESONDERE MIXTUR MACHT OUT OF THE WHITE ZU EINEM ÜBERAUS ERFRISCHENDEN, FREUDIGEN ALBUM VOLLER ÜBERRASCHUNGEN

  • Intro
  • Veröffentlichungen
Martin Fabricius 
Vibraphone
Andreas Markus  Kontrabass
Jacob Hatholt Schlagzeug

Under the Same Sky heißt das neue Album des Martin Fabricius Trios. Ein erfrischendes, eingängiges, harmonisches und ebenso überraschendes Hörerlebnis. „Wir sind viel in der Welt herumgereist, haben unter anderem Konzerte in China, Afrika, Dänemark, Schweden und Deutschland gegeben“, blickt der dänische Vibraphonist und Komponist Martin Fabricius auf eine ereignisreiche Tour zurück und ist überzeugt: „Musik enthält etwas, was Menschen überall auf der Welt miteinander verbindet.“

Fabricius, der taoistisches Tai Chi praktiziert und von dessen Philosophie beeinflusst ist, sieht alle Menschen – auf eine bestimmte Art und Weise – miteinander verbunden, sowohl körperlich als auch mental. „Wenn du eine Note spielst oder einen Ton singst, kannst du damit nicht nur Gegenstände in einem Raum in Schwingung versetzen, sondern auch Resonanzen zwischen Menschen erzeugen – völlig gleich, ob Jung oder Alt, ob aus Deutschland oder China.“

Mit seinen Landsleuten Andreas Markus (Kontrabass) und Jacob Hatholt (Schlagzeug) hat Fabricius Kompositionen entwickelt, die er als „ehrlich, geschmeidig und unaufdringlich“ beschreibt. „Einfache Stücke zu schreiben kann manchmal ganz schön schwierig sein“, gesteht Fabricius und gibt einen Einblick in sein Seelenleben. „Mein Ego will mich dazu verleiten, schnelle, komplexe Songs zu schreiben. Nach dem Motto: ‘schaut her, was ich kann!‘ Aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt, solche Aufforderungen zu ignorieren und stattdessen Musik zu schreiben, die mich bewegt. Manchmal ist sie komplex, manchmal sehr einfach.“

UNDER THE SAME SKY (2019)

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Earth Song, zum Beispiel, ist ein Stück, in dem zunächst alles um einen einzigen Akkord kreist, ehe drei weitere hinzukommen. Seine Simplizität und der ruhige, funkige Charakter erinnern an die Musik der Ureinwohner Amerikas. Eine Beschreibung, mit der Fabricius zum Ausdruck bringt, dass sich dänische Folkmusik gar nicht so sehr von der amerikanischen Variante unterscheidet. 

Morning Child ist eine Komposition, deren Namensfindung zunächst schwierig war. Eigentlich empfand Fabricius sie als eine Art Wiegenlied für Erwachsene. Aber irgendwie schien das unpassend. „Also fragten wir einfach das Publikum“, erinnert sich der Bandleader. „Einige Tage bevor die CD ins Presswerk ging, kam eine Frau zu uns auf die Bühne und erklärte, das Stück erinnere sie an den morgendlichen Trubel in einer Innenstadt. Wenn man sich dort mit seinem Fahrrad durch den Verkehr schiebt. Sie hatte recht. Es war kein Wiegenlied, sondern ein Morning Song. Vor einem Jahr bin ich zum ersten Mal Vater geworden und seitdem hat sich mein Tagesablauf komplett verändert. Ich war es gewohnt, lange zu schlafen. Jetzt wache ich schon sehr früh auf und werde dafür von meinem Sohn mit einem Lächeln belohnt. Er ist ein echter Wonneproppen, der schon am Morgen genauso viel Energie versprüht wie dieser Song.“

Ascension Day heißt – zumindest teilweise – so, weil es an Himmelfahrt entstand. Fabricius hat das Stück und das gesamte Album seinem Vater gewidmet. „Er war schon alt und verbrachte seinen Lebensabend in einem Pflegeheim. Jedes Mal, wenn ich ihn besuchte, fragte ich mich, ob ich ihn wohl zum letzten Mal sehen würde. Den Gedanken, Musik für ihn zu schreiben, hatte ich schon länger mit mir herumgetragen. Das Stück war nach 15 Minuten fertig. Ich weiß noch, wie ich dabei am Klavier saß und weinen musste.“ Der Song ist in Dur geschrieben und versprüht ein optimistisches, leichtes Flair. Wenn die Noten in immer höhere Tonlagen klettern und die Komposition schließlich in einem hohen Register endet, unterstreicht das den Eindruck einer Himmelfahrt. Fabricius‘ Vater verstarb im darauffolgenden Sommer.

Under the Same Sky enthält aber auch Erinnerungen an eine Bandreise nach Kamerun – festgehalten im Stück Little Africa. „Kamerun ist die perfekte Afrikaminiatur. Alles, was einem auf diesem Kontinent begegnet, begegnet einem auch in Kamerun. Regenwald, Flüsse, Savannen, Berge und das Meer. Deshalb wird es auch Kleinafrika genannt.“ Die Komposition entstand allerdings schon kurz vor der Reise – und drückt die Erwartungshaltung ihres Komponisten aus. Als das Trio in Kamerun gelandet war, entstand ein weiteres Stück, das zunächst keinen Titel hatte. „Bis eine Frau zu uns auf die Bühne kam und uns erzählte, dass ihr Geist ihren Körper in den Minuten verlassen habe, als wir es spielten. Also wurde daraus der Spirit Song.

Martin Fabricius hat lange darüber nachgedacht, welche musikalische Balance innerhalb des Trios herrschen soll. “Das Vibraphon ist ja kein besonders lautes Instrument. Als es erfunden wurde, hatten alle, die es spielten, zuvor Erfahrungen auf dem Xylophon gesammelt. Darauf hatten sie meistens ziemlich schnelles, beeindruckendes Zeug gespielt. Den ‘Hummelflug‘ zum Beispiel – mit verbundenen Augen. Wer an diesem Instrument überhaupt wahrgenommen werden wollte, musste kräftig auf die Plättchen schlagen, denn die Qualität der Mikrofone war damals noch sehr schlecht. Heutzutage ist unter jedem Plättchen ein kleines Mikrofon positioniert. so dass ich die Möglichkeit habe, mit mehr Ausdruck zu spielen. Ich kann sogar elektronische Effekte wie Loops und Delays einsetzen. So wird aus dem Vibraphon ein singendes, stimmähnliches Instrument.“

Ihr Tourkalender wird die Band zunächst nach Dänemark und Deutschland führen. Letztlich betrachtet das Trio aber die gesamte Welt als Spielplatz. So ist im Rahmen des dänischen Kulturförderprogramms „Danish Music in China“ auch eine Tour im Reich der Mitte und durch weitere Länder Asiens geplant. 


OUT OF THE WHITE (2017)

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Out of the White – das spektakuläre Album des dänischen Vibraphonisten Martin Fabricius erscheint jetzt als Neuauflage bei BERTHOLD Records. Darauf hat sich das Kerntrio, bestehend aus Martin Fabricius (Vibraphone), Christian Hougaard (Kontrabass) und Jacob Hatholt (Schlagzeug) zwei Gastmusiker an Bord geholt: den Mundharmonika-Spieler Mathias Heise und den Gitarristen Neff Irizzary. Ein Album, das bei den Kritikern bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. „All about Jazz“ etwa empfand es als „überaus erfrischend und freudig“, weil es den Musikern gelinge „Spannung aufzubauen, gänzlich ohne Pyrotechnik.“

Die Stücke sind über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren entstanden. „Es sind kleine Geschichten in der Art von Kurzfilmen“, beschreibt der Komponist die Anmutung der Songs. „Ausgangspunkt war die Ursprungsversion von Now you see it, now you don’t, von dem sich der Zeichner unseres ersten Albumcovers inspiriert fühlte. Er legte den Song auf und zeichnete sofort drauf los“. Was wiederum Fabricius dazu animierte, einen kleinen Song zu schreiben. „Dabei schien der entstehende Text mich geradezu anzuflehen: bitte schreib mich, bring mich schwarz auf weiß auf‘s Papier!

Diese Hookline (Out of the White) wurde also zum Ausgangspunkt für das gleichnamige Stück. Bei anderen Songs waren es Szenen bzw. Stimmungen, die darin transportiert werden, erklärt Fabricius:  „Die kaum spürbare Melancholie etwa, die sich in den ersten kalten Herbstwind mischt. Das bewegende Gefühl, wenn man nach Hause zurückkehrt, um alte Freunde wieder zu treffen (Homecoming). Oder die Angst, die ich spürte, als ich auf der Treppe unseres Wohnhauses stand und verzweifelt versuchte – durch Rauch und Sirenengeheul hindurch - Lebenszeichen meines Nachbarn auszumachen, dessen Apartment in Flammen stand (Firedance).“

Alle Stücke klingen zwar komplex, wirken aber auch enorm beruhigend. „In meine Musik fließen unterschiedliche Erfahrungen ein: wer ich bin, meine Liebe zur Natur und mein Studium der Filmmusik.“ Letzteres führte Fabricius unter anderem ans berühmte Berklee College of Music, an dem die amerikanische Tradition des Improvisierens sorgfältig gepflegt wird. „Es sind meist einfache Melodien, die den Charakter kleiner Songs haben und ausreichend Raum für Improvisationen lassen. In der Regel umfassen die Skizzen meiner Stücke nur zwei, maximal drei Seiten. Ab und zu schreibe ich eine komplette Bassline, wenn mir etwas Konkretes vorschwebt. Aber alles andere – ich würde sagen mindestens 75 Prozent - ist improvisiert“, erklärt Fabricius seinen Prozess des Songwritings, der ihm hilft, die Musik bis zu den Aufnahmen im Studio frisch zu halten.

Diese besondere Mixtur macht Out of the White zu einem überaus erfrischenden, freudigen Album voller Überraschungen. Oder, wie es Niels Overgård in seinem Blog „JzzNyt“ formuliert: „Jazz, der dich umarmt und nicht wieder loslässt.“ 

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